von Tom Kuhlmann
Wie wohl die meisten von Ihnen mag ich Meetings nicht besonders, denn oft bestehen sie aus (langweiligen) Präsentationen. Da sitze ich dann und denke mir „Das hätte man auch einfach aufzeichnen und rumschicken können. Jetzt sitzen wir hier tatenlos rum. Was für eine Zeitverschwendung.“
Wir alle waren schon mal in solchen Meetings. Und wir mögen sie nicht. Warum nicht?
Weil der Anlass und Zweck des Meetings zwar sinnvoll erscheinen mögen, aber für die meisten Anwesenden hauptsächlich Dinge enthalten sind, die sie wissen sollen, aber nichts, was sie tun sollen.
Wenn wir diese Logik jetzt auf typische E-Learning-Kurse übertragen, besonders jährliche Compliance-Schulungen oder Zertifizierungskurse, dann haben diese Kurse auch wieder jede Menge theoretisch sinnvollen Inhalt, aber auch hier geht es wieder nur ums Wissen, nie ums Tun.
Und das ist der Grund, weshalb sich viele in einem Affenzahn durch diese Kurse klicken, um möglichst schnell zum Abschlusstest zu kommen.
Deshalb kommen aus der Community auch so oft Fragen dazu, wie man die Navigation am besten sperren kann. Denn insgeheim wissen sie, dass sich niemand freiwillig diese langweiligen Texte durchliest.
In einer perfekten Welt wären die Kurse so strukturiert, dass sie spannend und unmittelbar relevant für die Teilnehmenden sind – das wärend die idealen Voraussetzungen für effektives Lernen. Aber diesen Zustand werden wir wohl nie erreichen, am wenigsten mit den üblichen Compliance-Kursen.
Aber das ist nicht schlimm. Die meisten dieser Kurse sind gesetzlich vorgeschrieben, und daran können wir nichts ändern. Anstatt uns aber aufzuregen oder zu resignieren, lassen Sie uns ein paar Möglichkeiten betrachten, wie wir diese Kurse besser machen können.
Tipp 1: Test gleich zu Beginn einbauen
Sparen Sie sich den Kampf gegen das Zum-Quiz-Springen, indem Sie gleich zu Beginn des Kurses ein Quiz einbauen. Mit diesem Vortest können Sie bestehendes Wissen abfragen und so den Teilnehmenden, die sich bereits gut auskennen, die Gelegenheit geben, ihr Wissen unter Beweis zu stellen.
Wer den Text besteht, bekommt den Absolvierungsvermerk und kann sich die Zeit sparen. Wer ihn nicht besteht, wird einfach zur ersten Folie des Kurses geleitet.

Tipp 2: Erzeugen Sie Druck, sich die Inhalte wirklich durchzulesen
Stellen Sie Fragen, für die man die Inhalte des Kurses wirklich im Detail kennen muss – aber keine Fangfragen. Wenn „Springfreudige“ die Antwort nicht wissen, werden sie schon zurück gehen und nachlesen.
Im Beispiel unten bezieht sich die Frage auf den konkreten Inhalt der Vorschrift „RCW 42.52.020“. Diese Vorschrift wird kaum jemand auswendig kennen, und alle Antwortmöglichkeiten wirken plausibel.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als tatsächlich nachzulesen, wenn man die Frage nicht verhauen will. So leiten Sie diese Teilnehmenden auf organische Weise in den Kurs, wo sie hoffentlich lernen, was sie wissen müssen, um den Test zu bestehen.
Tipp 3: Verwandeln Sie den ganzen Kurs in ein Quiz
Kurse, bei denen Folie um Folie Text präsentiert wird, wirken schnell langweilig. Drehen Sie den Spieß doch einmal um und starten Sie den Kurs gleich mit einer Frage. In das Antwort-Feedback – egal, ob richtig oder falsch geantwortet wird – bauen Sie dann die relevanten Informationen ein.
Natürlich kann das in diesem Format nicht seitenweise Text sein, aber nutzen Sie diese Platzbeschränkung als Gelegenheit, zu überlegen, was wirklich wichtig ist und unbedingt vermittelt werden muss. Wenn Sie hierauf eine Antwort gefunden haben, stellen Sie die Fragen entsprechend, um auf diese zentralen Inhalte hinzuleiten.
Bonustipp: Wenn Sie die Fragen nicht einfach hintereinanderschalten, sondern in die Form eines Szenarios gießen, wird der Kurs gleich noch mal spannender.

Teilnehmende springen nicht ohne Grund direkt zum Quiz. In einer perfekten Welt sind die Inhalte des Kurses unmittelbar relevant und bieten spürbaren Mehrwert für ihre Arbeit. Das reicht hoffentlich, um sie davon zu überzeugen, den Kurs tatsächlich zu absolvieren. Sollten Sie dennoch „sprunghaftes Verhalten“ feststellen, sind die obigen Tipps Möglichkeiten, es weiter einzudämmen.