von Tom Kuhlmann
Wie viele von Ihnen habe ich auch mit der KI-Bilderzeugung experimentiert. Man kann dem Ganzen einen gewissen Zauber nicht absprechen. Einfach ein bisschen Text eingeben, und kurze Zeit später erhält man durchaus passable Bilder. Auf den ersten Blick ist das fantastisch. Viele von uns verwenden Stock-Bilder. Das funktioniert ganz gut, aber das Problem ist, dass sie eben recht generisch aussehen. Ein bestimmtes Bild zu finden, das genau zum eigenen Kurs passt, ist nicht immer leicht.
In diese Bresche springt das Versprechen der KI-Bilderzeugung. Sie brauchen ein ganz bestimmtes Bild? Einfach einen aussagekräftigen Prompt formulieren, und Sie bekommen sofort, was Sie wollen. Leider funktioniert das so nicht ganz.
Für meine ersten Experimente habe ich Midjourney benutzt.
Mit dem Prompt „40 year old person lifting a box in a warehouse, forklift in the background, in the style of Crewsdon“ bekam ich die folgenden Bilder. Nicht schlecht, aber nicht wirklich gut verwendbar.

Probleme der KI-Bilderzeugung
Aktuell gibt es diverse Punkte, die die KI-Bilderzeugung für E-Learning-Kurse noch knifflig machen, z. B.:
- Heimlicher Zeitfresser: Mit KI-Tools herumzuspielen, macht einfach Spaß. Dem kann sich kaum jemand entziehen. Aber hier ist der Haken: Um am Ende wirklich genau die Bilder zu bekommen, die Sie brauchen, müssen Sie nicht wenig Zeit investieren, da Sie Ihre Prompts in der Regel immer wieder verfeinern und anpassen müssen, bis es wirklich passt.
- Konsistente Ergebnisse sind nicht einfach zu erreichen. Vielleicht haben Sie es geschafft, das perfekt passende Bild zu erzeugen, aber wenn Sie weitere Bilder brauchen, die stilistisch und inhaltlich zu diesem Bild passen, wird es haarig. Hier kommt wieder der Punkt Zeitfresser ins Spiel. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wie das alles funktioniert. Oft bekomme ich 3 sehr ähnliche Bilder und das vierte ist völlig anders und absolut sinnlos. Als hätte die KI einen über den Durst getrunken und wäre ein bisschen zu kreativ geworden!
- Und dann sind da diese seltsamen Artefakte. KI scheint sich mit Händen und Posen schwer zu tun. Manchmal geht alles gut, aber manchmal ist auch die linke Hand am rechten Arm oder sie hat sieben Finger. Manchmal bekommt einen Figur auch einen dritten Arm oder nur ein Bein. Die Spanne ist definitiv groß!
- Bias ist selbst für KI ein Problem. Weibliche Figuren z. B. neigen oft dazu, übertrieben sexualisiert dargestellt zu werden. Auch Verzerrungen im Bereich Hautfarbe und Alter von Personen sind nicht selten. Mit der Zeit wird das sicher besser werden, wenn die Technik weiter ausgereift ist, aber aktuell müssen wir alle diesen Punkt im Hinterkopf behalten und versuchen entsprechend nachzusteuern.
Tipps für die KI-Bilderzeugung
Mit der Weiterentwicklung der Technik werden viele dieser Probleme gelöst werden. Bis dahin möchte ich Ihnen aber schon mal Tipps an die Hand geben, die mir geholfen haben, passende Bilder erzeugen zu lassen:
- Inspiration suchen und Prompts merken. Wenn Sie Bilder in einem Stil sehen, der Ihnen gefällt, versuchen Sie den Prompt zu finden, mit dem die Bilder erzeugt wurden. Formulieren Sie dann ähnliche Prompts und sehen Sie sich die Ausgabe an. Wenn sie Ihnen gefällt, speichern Sie den Prompt, damit Sie ihn in Zukunft wiederverwenden können.

- Einfach ist besser. In meiner Erfahrung liefern schlichte Prompts bessere Ergebnisse als komplexe. Fangen Sie mit dem Objekt an, das Sie brauchen, geben Sie ein bisschen Kontext, fügen Sie eine Beschreibung an und bezeichnen Sie den Stil, in dem das Bild erzeugt werden soll. Wenn Sie ein Ergebnis bekommen, das Ihnen schon fast gefällt, ändern Sie nur einen Parameter des Prompts. Wenn Sie z. B. mit „hellhäutige Frau“ ein gutes Ergebnis bekommen haben, versuchen Sie es mit „dunkelhäutige Frau“ oder „hellhäutiger Mann“ usw. Das Ergebnis sehen Sie unten. All diese Figuren könnten im selben Kurs vorkommen, da sie stilistisch zusammenpassen.

- Erstellen Sie eine kurze Liste von Branchen, Umgebungen, Berufen und Situationen, für die Sie häufiger Bilder brauchen. Wenn Sie dann ein gutes Ergebnis haben, ändern Sie einfach diese Parameter in Ihrem Prompt. Sie werden überrascht sein, wie schnell Sie dann passende Bilder für weitere Kurse bekommen. Diesen Ansatz habe ich letztens verfolgt, als ich einen Kurs zur Lagerverwaltung erstellt habe. Innerhalb einer Stunde hatte ich 24 Ordner mit je 15 individuellen Figuren zusammen. Das sind 360 Figuren in nur einer Stunde!

- Machen Sie sich mit dem KI-Tool, das Sie nutzen, vertraut. Jedes Tool hat seine eigenen Feinheiten. Je mehr Sie experimentieren, desto besser wird Ihr Gespür dafür, was Sie an Ergebnissen erwarten können. Vergessen Sie nicht: Es hängt alles von der Formulierung der Prompts ab. Wenn Sie Erfahrung damit sammeln, welche Art Prompts bei Ihrem Tool welche Ergebnisse liefern, können Sie in Zukunft gezielter vorgehen.
- KI-erzeugte Bilder sind nur der Ausgangspunkt. Wenn Sie KI in dieser Weise für Ihre E-Learning-Projekte nutzen wollen, betrachten Sie das KI-Tool als Mittel zum Zweck, um herauszufinden, welcher Stil Ihnen am besten gefällt. Damit können Sie sich dann an Illustratoren wenden, die Ihnen gezielt Bilder in diesem Stil entwerfen können, die perfekt zu Ihrem Kurs passen. So sparen Sie sich langes Hin und Her bei der Absprache mit Kreativen.
- KI-Tools können Ihnen nicht sämtliche Arbeit abnehmen. Es ist äußerst selten damit getan, dass Sie ein Bild erzeugen lassen und es einfach in Ihren Kurs einbauen. Auch die besten KI-Bilder haben ihre kleinen Macken. Auf den ersten Blick sieht die linke Figur gut aus, aber wenn Sie reinzoomen, fällt Ihnen auf, dass mit den Auge etwas nicht stimmt, dass ein Finger komisch aussieht oder die Brille offenbar keine Gläser hat. Natürlich könnten Sie so ein Bild trotzdem verwenden, müssen dann aber damit leben, dass es nicht superprofessionell rüberkommt.

Bitte bedenken Sie aber auch …
Ich bin definitiv kein KI-Experte. Aber ich wollte einfach mal ausprobieren, ob ich mir Bilder erzeugen lassen könnte, die ich ohne viel Bearbeitungsaufwand einsetzen kann. Und ich glaube, ich habe eine ganz gute Kompromisslösung gefunden. In meinen nächsten Posts gebe ich Ihnen noch mehr Tipps, die KI-Laien wie Sie und ich trotzdem gewinnbringend umsetzen können.
Ich hoffe, Sie konnten aus meinen Erfahrungen lernen.