von Tom Kuhlmann
Es gibt drei grundlegende Formen der Bildschirminteraktionen in E-Learning-Kursen: Klick, Drag-and-Drop und Mouseover. Es gibt auch noch die Text- oder Dateneingabe, aber der überwiegende Teil der Interaktion im E-Learning besteht aus den drei oben genannten Formen.
Vor einer Weile habe ich mit einem Mouseover-Konzept experimentiert, das eher ein Gimmick war und sich in einem echten E-Learning-Kurs kaum umsetzen lassen würde. Es hat mich aber ans Nachdenken gebracht, über Einsatzszenarien von Mouseover und die aktuelle Lage der E-Learning-Welt.
Wie und wozu werden Mouseover-Interaktionen eingesetzt?
Es gibt unzählige Gründe und Möglichkeiten, warum und wie Mouseover eingesetzt wird, aber die drei verbreitetsten sind:
- Anzeigen der ausgewählten oder aktuellen Position: Bei Schaltflächen sieht man das sehr häufig. Wenn man mit dem Mauszeiger über die Schaltfläche fährt, ändert sie ihr Aussehen, damit man sieht, wo man ist und dass es eine klickbare Schaltfläche ist. Im folgenden Beispiel sehen wir eine Schaltfläche mit einem Hover-Zustand, der anzeigt, wenn der Mauszeiger auf der Schaltfläche ist.

- Zusätzliche Informationen anzeigen: Mouseover wird auch gern eingesetzt, um Platz auf dem Bildschirm zu sparen. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über ein Objekt fahren, wird die passende Information angezeigt, und wenn Sie ihn wegbewegen, wird die Information wieder ausgeblendet. Im Beispiel unten werden mit Mouseover Informationen zu den menschlichen Organen angezeigt.

- Tooltipps anzeigen: Kurze Informationen zur Navigation und zum Zweck einzelner Bildschirmelemente werden oft in Tooltipps verpackt, die angezeigt werden, wenn der Mauszeiger auf dem Element verweilt. In diesem Beispiel enthalten die Tooltipps Hinweise zu weiteren Ressourcen.

Wie schlagen sich Mouseover-Interaktionen in der modernen E-Learning-Welt?
Mouseover-Interaktionen funktionieren prinzipiell gut und können sogar kreativ eingesetzt werden, um bestimmte visuelle Effekte zu erzielen. In den letzten Jahren hat sich die E-Learning-Landschaft aber in zwei Punkten recht deutlich verändert.
- Mobilgeräte. Immer mehr Kurse werden auf Smartphones und Tablets konsumiert, und die haben Touch-Bildschirme. Das Konzept Mouseover funktioniert aber nicht, wenn man mit dem Finger navigiert statt mit dem Mauszeiger. Man kann zwar den Finger länger auf ein Objekt halten, um einen Hover-Zustand auszulösen, das ist aber selten praktikabel im Mobile Learning.
- Barrierefreiheit. Idealerweise würden natürlich alle E-Learning-Kurse barrierefrei entwickelt, aber das war lange Zeit nicht der Fall. Inzwischen ist das Thema viel mehr ins Bewusstsein der Entwickler und Auftraggeber gerückt als noch vor ein paar Jahren. Der Markt hat sich da einfach gewandelt. Und gerade für Menschen, die mit der Tastatur navigieren, sind Mouseover-Interaktionen schlicht nicht zu bedienen.
Es scheint, als wäre es an der Zeit, sich von Mouseover-Interaktionen im E-Learning zu verabschieden. Stattdessen einen Klick-Effekt einzubauen, ist Extraaufwand, der nicht unbedingt nötig ist. Deshalb plädiere ich dafür, dass wir den technologischen Wandel schlicht akzeptieren und diese Art Interaktionen nicht mehr im E-Learning verwenden.