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So testen Sie Ihren Storyline-360-Kurs mit einem Screenreader

So testen Sie Ihren Storyline-360-Kurs mit einem Screenreader
Storyline-Kurse mit Screenreadern testen

Wenn Sie einen barrierefreien E-Learning-Kurs erstellen, muss er natürlich mit Screenreadern kompatibel sein. (Falls Sie nicht wissen, wie Screenreader funktionieren, lesen Sie am besten erst den folgenden Artikel, bevor Sie hier weiterlesen: Screenreader im barrierefreien E-Learning – ein Überblick.)

Falls Sie Ihren Kurs mit Storyline 360 erstellen, haben Sie Glück. Der barrierefreie Kurs-Player ist von Hause aus mit einer ganzen Reihe von Screenreadern kompatibel.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie komplett aufs Testen Ihres Kurses verzichten können. Jeder Kurs sollte nach Möglichkeit in der Umgebung getestet werden, in der ihn die Teilnehmer absolvieren, damit Sie ihn an die entsprechenden Anforderungen anpassen können. Für barrierefreie Kurse bedeutet das auch das Testen mit einem Screenreader.

Wenn Sie das noch nie gemacht haben, wissen Sie vielleicht nicht recht, wo Sie anfangen sollen. Schließlich sind Sie – anders als Ihre Zielgruppe – nicht so geübt im Umgang mit Screenreadern.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen deshalb Schritt für Schritt wie Sie dabei vorgehen. Los geht’s.

1. Machen Sie sich mit dem Screenreader vertraut

Eine der größten Herausforderungen für Sie als E-Learning-Entwickler beim Testen Ihres Kurses mit einem Screenreader ist womöglich die Bedienung des Screenreaders selbst. Wenn Sie noch nie mit einem Screenreader gearbeitet haben, sollten Sie sich gezielt Zeit nehmen, die Software kennen zu lernen und die Steuerung einzuüben. Gehen Sie dazu am besten wie folgt vor:

  1. Bei Screenreadern handelt es sich um Software (nicht Hardware). Sie können also ganz einfach einen herunterladen und auf Ihrem Gerät installieren, wenn dort noch keiner installiert ist.
  2. Machen Sie sich mit den grundlegenden Tastaturbefehlen (für Computer) und den Mehrfingergesten (für Geräte mit Touchscreen) Ihres Screenreaders vertraut.
  3. Schließen Sie die Augen und versuchen Sie etwas zu „lesen“, z. B. einen Wikipedia-Artikel, einfach um ein Gefühl für die Situation Ihrer Lernenden zu bekommen.
  4. Notieren Sie sich am Ende, was Ihnen aufgefallen ist. Z. B. könnten Sie bemerkt haben, dass
    • der Screenreader oft den Kontext dessen erwähnt, was er vorliest, also ob es Teil der Navigation, eine Überschrift, eine Liste oder ein Link ist;
    • einige Screenreader, Satzzeichen vorlesen (Punkt, Komma, Schrägstrich usw.);
    • einige Screenreader (wie NVDA und JAWS) nach 100 Zeichen aufhören, vorzulesen. Sie können diese Länge in den Einstellungen verändern oder über den Pfeil nach unten weiterlesen.

Wichtig ist in dieser Phase, dass Sie sich Zeit nehmen den Screenreader, den die Kursteilnehmer verwenden, kennen zu lernen, damit Sie eine bessere Vorstellung davon bekommen, was die Teilnehmer erwartet, wenn sie Ihren Kurs absolvieren.

2. Lernen Sie, wie Screenreader mit Storyline-360-Inhalten interagieren

In Schritt 1 haben wir vorgeschlagen, dass Sie sich z. B. eine Wikipedia-Seite mit dem Screenreader durchlesen. Mit Storyline-360-Inhalten interagieren Screenreader im Wesentlichen genauso wie mit einer Webseite. Auf einige Unterschiede möchten wir Sie jedoch hinweisen – Unterschiede, die wir bewusst eingebaut haben, um die Lernerfahrung mit einem Screenreader noch angenehmer zu machen.

Hier eine kurze Zusammenfassung dieser Unterschiede:

  • Der Screenreader liest Inhalte auf Folien nicht automatisch vor. Normalerweise lesen Screenreader sichtbare Texte automatisch vor, sobald Sie angezeigt werden. Bei E-Learning-Kursen ist das aber unpraktisch, da beim Einblenden einer neuen Folie nicht selten automatisch eine Audio- oder Videodatei abgespielt wird. Deshalb wird bei jeder neuen Folie zunächst nur der Folientitel vorgelesen, und anschließend kann der Kursteilnehmer auf eigene Faust die Folie erkunden. Mehr Details hierzu finden Sie auf unserer Website unter: Bildschirmlesegeräte lesen Inhalte nicht automatisch.
  • Standardmäßig werden die Objekte von links nach rechts und von oben nach unten vorgelesen. Als Kursautor können Sie jedoch die Reihenfolge anpassen, in der die Elemente auf Ihren Folien vorgelesen werden sollen. Weitere Informationen hierzu sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung (auf Englisch) finden Sie ebenfalls auf unserer Website unter Customizing the Focus Order of Slide Objects.
  • Standardmäßig werden alle Objekte auf der Folie vorgelesen. Als Kursautor können Sie jedoch einzelne Objekte – z. B. rein dekorative Grafiken – vor dem Screenreader verbergen. Dazu können Sie entweder das Objekt aus der Fokusreihenfolge entfernen oder mit der rechten Maustaste auf das Objekt klicken, dann im Menü Größe und Position zum Reiter Barrierefreiheit wechseln und den Haken aus dem Kästchen Objekt ist für barrierefreie Anwendungen sichtbar entfernen, wie im folgenden Video zu sehen:

Objekt nicht vom Screenreader lesen lassen

Mehr Informationen zur Interaktion von Screenreadern mit Storyline-360-Inhalten finden Sie hier:

3. Testen Sie Ihren Storyline-360-Kurs mit einem Screenreader

Ok, jetzt haben Sie den Screenreader, mit dem Ihre Kursteilnehmer vorzugsweise arbeiten, kennen gelernt und wissen, wie er mit Storyline 360 interagiert. Jetzt kann es also mit dem eigentlichen Test Ihres Kurses losgehen.

Vergewissern Sie sich, dass Ihr Screenreader aktiviert ist und starten Sie den Kurs. Schließen Sie jetzt die Augen und versuchen Sie so durch den Kurs zu navigieren, wie es auch ein Teilnehmer täte, mit Tastaturbefehlen oder Mehrfingergesten.

Gehen Sie zunächst zügig die erste Folie durch. Screenreader-Nutzer überfliegen Folien oft erst mal, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Folie aufgebaut ist. Erst dann konzentrieren sie sich gezielt auf ein Elemente der Folie. Probieren Sie es mal aus.

Starten Sie dann noch mal von vorne und gehen Sie die Folie Stück für Stück durch. Hören Sie sich dabei die Beschreibungen zu jedem Element an. Machen Sie so mit den restlichen Folien des Kurses weiter und schauen Sie, ob Sie es bis zum Ende schaffen, ohne hängenzubleiben. Gehen Sie dabei auch die Fragen durch, die wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst haben: Checkliste: E-Learning-Kurse mit Screenreader testen.

Wenn technische Probleme auftreten, lesen Sie zuerst im Handbuch des Screenreaders  nach, um zu sehen, ob Sie vielleicht einen Tastaturbefehl nicht richtig verwenden. Wenn es daran nicht liegt, finden Sie weitere Tipps und Lösungsansätze in diesem Artikel: 5 häufige Fragen zur Teilnahme an Storyline-360-Kursen mit Screenreadern. Wenn Sie Ihr Problem damit immer noch nicht lösen konnten, wenden Sie sich an unseren Support. Unsere Mitarbeiter helfen Ihnen gerne weiter.

4. Bitten Sie einen Teilnehmer aus der Zielgruppe um Feedback zum Kurs

Wenn Sie den Kurs mit dem Screenreader getestet und eventuelle Anpassungen vorgenommen haben, ist es sinnvoll, jemanden um Feedback zu bitten, der im Umgang mit Screenreadern erfahren ist.

Diese Person kann Ihnen mit Sicherheit praxisnahe Rückmeldung zu Ihrem Kurs geben. Bitten Sie die Person, sich alle Stellen zu notieren, an denen sie evtl. nicht weiterwusste, die Navigation unübersichtlich oder den Inhalt schwer verständlich fand.

Fazit

Einen Kurs mit Screenreader zu absolvieren und den Inhalt akustisch aufzunehmen ist eine ganz andere Lernerfahrung als sich mit der Maus durchzuklicken und die Augen alle Arbeit machen zu lassen. Mit Storyline 360 können Sie sicher sein, dass Ihr Kurs grundsätzlich mit Screenreadern kompatibel ist, aber wie das Lernerlebnis für die Teilnehmer tatsächlich sein wird, finden Sie nur heraus, wenn Sie es selbst ausprobieren.

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