von Tom Kuhlmann
Ich lektoriere Unmengen Demos und Kursen. E-Learning ist ein stark visuell geprägtes Medium, deshalb fallen optische Ungereimtheiten schnell auf. Im heutigen Artikel möchte ich Ihnen drei Probleme vorstellen, die mir am häufigsten begegnen, und Ihnen Tipps zur Vermeidung dieser Probleme geben.
Verzerrte Bilder
Was ich hier meine, sind Bilder, die offensichtlich nicht im richtigen Seitenverhältnis oder in einer geeigneten Auflösung eingebaut wurden. Hier muss ich sehr oft nachkorrigieren. Zum Glück ist das in der Regel nicht kompliziert. Oft entstehen diese Verzerrungen, weil Bilddateien in bestimmte vorgegebene Rahmen oder Bereiche gezwängt werden, ohne dass das Seitenverhältnis beihalten wird. Beheben lässt sich das Problem oft einfach über die Ankerpunkte an den Seiten oder oben und unten am betroffenen Bild.
Hier sind zwei Methoden, mit denen Sie Verzerrungen verhindern können:
- Eck-Ankerpunkte. Wenn Sie ein Bild vergrößern oder verkleinern möchten, halten Sie die Shift-Taste gedrückt, und ziehen Sie mit dem Mauszeiger an einer der Ecken. Das funktioniert auch bei eingefügten Formen. Besonders wichtig ist das bei Kreisen, die sonst schnell zu Eiern werden.
- Das Zuschneiden-Werkzeug. Mit der Funktion Zuschneiden (in PowerPoint und Articulate Storyline) können Sie das Seitenverhältnis ändern und das Bild auf die benötigte Größe stutzen, ohne an Bildqualität zu verlieren. Im Zuschneide-Werkzeug können Sie das Bild auch hin und her schieben, um genau den Ausschnitt zu treffen, den Sie brauchen.
Schriftarten-Wirrwarr
Oft werden in Kursen zu viele verschiedene Schriftarten verwendet, die auch keinem klaren Muster folgen. Wenn ich den Autor oder die Autorin eines Kurses frage, warum an dieser oder jener Stelle eine bestimmte Schriftart verwendet wurde, lautet die Antwort meist: um den Kurs interessanter zu machen.
Das ist natürlich ein ehrenwertes Ziel, aber eine interessante Schriftart macht den Kurs noch nicht interessanter. Eine ungünstig gewählte Schriftart kann sogar vom Inhalt des Kurses ablenken, Texte schlechter lesbar machen – und den Kurs schlichtweg weniger professionell wirken lassen.
Ich empfehle in der Regel, sich auf höchstens sieben Schriftarten zu beschränken. Kleiner Scherz! Als Faustregel (gerade wenn Sie noch neu in der E-Learning-Branche sind), hat sich eine Beschränkung auf 2 oder 3 Schriftarten bewährt. Und diese Schriftarten haben bestimmte Funktionen. So sollten Sie in der Regel je eine Schriftart wählen für:
- Überschriften
- Unterüberschriften
- Fließtext
Wenn Sie im Fließtext mit Hervorhebungen arbeiten möchten, nutzen Sie ganz schlicht den Fettdruck oder die Unterstreichung.
Sich bei der Schriftartenanzahl zurückzuhalten und Schriftarten gezielt für die oben genannten Zwecke auszusuchen, lässt Ihre Kurse runder und glaubwürdiger rüberkommen. In einem anderen Post auf diesem Blog haben wir noch weitere Tipps zur Auswahl von Schriftarten in E-Learning-Kursen für Sie.
Unsauber formatierter Text
E-Learning-Kurse bestehen zum größten Teil aus Text. Texte dienen natürlich in erster Linie dazu, Informationen zu vermitteln. Sie sind aber dennoch integraler Teil des visuellen Designs. Deshalb ist die richtige Ausrichtung von Texten so wichtig. Hier sind meine Tipps dazu:
- Zentrierung nur für kurze Texte. Zentrierter Text wirkt am besten bei Überschriften, Bildunterschriften, Zitaten oder sehr kurzen Absätzen. Bei längeren Fließtexten wirken bündige Textränder ruhiger und machen sie lesbarer.
- Schusterjungen und Hurenkinder vermeiden. Was haben diese Ausdrücke mit Text und E-Learning-Design zu tun? In der Setzersprache ist ein Schusterjunge eine einzelne Zeile am Ende einer Seite oder Spalte, ein Hurenkind eine einzelne Zeile eines vorangehenden Absatzes am Anfang einer Seite oder Spalte. Vermeiden können Sie diese unschönen Elemente, indem Sie die Größe des Textfelds ändern.
- Einheitliche Ränder um Textblöcke. Oft sehe ich Textabschnitte, die an den oberen oder einen seitlichen Rand gequetscht sind. Auch das Gegenteil, viel zu große Ränder, ist nicht selten. Hier gilt wie so oft das Gebot der goldenen Mitte. Am einfachsten geht das, indem Sie ein Textfeld auf die Form legen. So haben Sie besser unter Kontrolle, wo genau der Text platziert wird, und sind nicht an die Formatierungsoptionen der Form gebunden.
Man muss nicht Grafikdesign studiert haben, um zu sehen, wenn ein Kurs nicht gut aussieht. Vielleich fällt es uns schwer zu beschreiben, warum genau er nicht gut aussieht, aber auffallen tut es uns schon. So ist es auch mit den drei oben genannten Problemen. Wenn sie nicht existieren, fällt es niemandem auf. Wenn aber doch, sieht es jede(r).
Das Gute ist, dass sie leicht zu vermeiden oder beheben sind. Nehmen Sie sich die Zeit. Es macht einen großen Unterschied für die Wirkung Ihrer Kurse.