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Das Multimodalitätsprinzip – mehr Lernerfolg durch Text + Bild

Das Multimodalitätsprinzip – mehr Lernerfolg durch Text + Bild
Multimodalitätsprinzip - Grafiken steigern den Lernerfolg

In E-Learning-Kreisen hört man bisweilen, dass die technischen Fähigkeiten und die Intuition des Kursentwicklers viel wichtiger seien als wissenschaftlich fundierte didaktische Grundsätze.(1)  Natürlich lässt man sich von seinen Fähigkeiten und seiner Intuition leiten, aber woher weiß man, ob man so nicht auch mal in die Irre geführt wird?

Dank benutzerfreundlicher Software wie Articulate Studio ’13 und Articulate Storyline kann heutzutage fast jeder einen E-Learning-Kurs erstellen – selbst, wenn er in Sachen Didaktik und Informationsaufbereitung völlig unbeleckt ist. Umso mehr sind wir jedoch der Überzeugung, dass man als E-Learning-Entwickler mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Erstellung von Lernmaterialien vertraut sein sollte.

Richard Mayer, Professor an der University of California, untersucht seit über 25 Jahren, wie verschiedene Formen der Informationspräsentation das Verständnis der Lernenden beeinflussen. Unter anderem geht er der Frage nach, welche Auswirkung multimediale Didaktik – Kurseinheiten mit Sprache (schriftlich oder mündlich) und Bildmaterial (Illustrationen, Fotos, Animationen, Videos) – auf den Lernerfolg hat.

Über die Jahre haben Mayer und seine Kollegen eine Reihe von Leitlinien zur Entwicklung von Lernmaterialien erarbeitet, durch die sich der Lernerfolg erwiesenermaßen steigern lässt. Eine dieser Leitlinien ist das Multimodalitätsprinzip, das – verkürzt ausgedrückt – besagt, dass Menschen durch die Kombination von Text und Bild besser lernen als durch reinen Text. (2)

Folie nur mit Text   Folie mit Text + Bild

In zehn verschiedenen Studien haben Mayer und seine Kollegen anhand von Kursen zu technischen Vorgängen den Lernerfolg von Materialien mit Text und Bildern mit dem von rein textbasierten Materialien verglichen. In allen zehn Studien schnitten Lernende, die einen multimedialen Kurs absolvierten, besser ab als diejenigen mit einem rein textbasierten Kurs. Durchschnittlich lag der Lernerfolg bei multimedialem Lernen um beachtliche 89 % höher. (3)

89 % größerer Lerneffekt mit Bildern

Da möchte man doch Kurse, die aus nichts als Textblöcken bestehen, gleich über Bord werfen. Ja, schon – aber bei der Auswahl des visuellen Materials ist dennoch Vorsicht geboten, denn nicht alle Bilder wirken gleich gut. Mehr zu genau diesem Thema findet sich im Artikel zu Kohärenz zwischen Text und Grafiken in unserem Blog.

Wer noch mehr über die von Richard Mayer entwickelten Prinzipien erfahren möchten, dem empfehle ich Mayers Buch E-Learning and the Science of Instruction: Proven Guidelines for Consumers and Designers of Multimedia Learning (auf Englisch).

Quellen:

1  Park und Hannafin: „Empirically-Based Guidelines for the Design of Interactive Multimedia“, in Educational Technology Research and Development, 41, 63-85, 1994.

2  Mayer: „Introduction to Multimedia Learning“, in Mayer (Ed.): The Cambridge Handbook of Multimedia Learning. New York: Cambridge University Press, 2005.

3  Clark und Mayer. E-Learning and the Science of Instruction, 2. Auflage. San Francisco: Pfeiffer, 2007.

4  Mayer: „Applying the Science of Learning: Evidence-Based Principles for the Design of Multimedia Instruction“, in American Psychologist, November 2008, 760-769.

 

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