Articulate Netzwerk:

Articulate

Kohärenz zwischen Text und Grafiken im E-Learning – weniger ist manchmal mehr

Kohärenz zwischen Text und Grafiken im E-Learning – weniger ist manchmal mehr

In diesem Blog-Beitrag (deutsche Version folgt im Dezember 2018) habe ich diskutiert, wie Grafiken, die den Text unterstützen, den Lernerfolg erhöhen können. Darin habe ich von einer zentralen Gratwanderung in der Entwicklung von Lehrmaterialien gesprochen: der zwischen den empirisch gestützten Leitlinien, die erwiesenermaßen den Lernerfolg fördern, und unserem eigenen Bauchgefühl.

Heute möchte ich Ihnen ein paar weitere Gedanken mitgeben, die Sie im Hinterkopf haben sollten, wenn Ihr Bauchgefühl (oder das Ihres Kunden) Ihnen das nächste Mal rät, ein trockenes Thema durch grafische Elemente oder andere Medien „aufzupeppen“. Der Gedanke dahinter ist verständlich, aber Sie sollten sich auch fragen, wie sich solche Elemente auf die Effektivität Ihres Kurses auswirken.

* Moreno & Mayer 2000

Richard Mayers Kohärenzprinzip besagt nämlich, dass schöne oder interessante, aber für das Lernziel irrelevante, Elemente die Lernleistung beeinträchtigen (siehe obige Grafik). Mayer und Kollegen vermuten, dass sich diese verführerischen Details in verschiedener Weise negativ auf das Lernen auswirken:

  1. sie lenken von den zentralen Lerninhalten ab;
  2. sie stören die Bildung eines kohärenten mentalen Modells;
  3. sie aktivieren irrelevantes Vorwissen.

Wenn Sie noch nicht davon überzeugt sind, wie wichtig es ist, die Aufmerksamkeit der Lernenden bei der Stange zu halten, schauen Sie sich doch mal dieses kurze Video an.

Video abspielen

Und, wie haben Sie sich geschlagen? Wenn Sie es beim ersten Mal geschafft haben oder das Video schon kannten, versuchen Sie es einmal mit dieser Version.

Sehen wir uns jetzt einmal ein E-Learning-spezifisches Beispiel an. Sagen wir, Sie wollen eine Folie für Biologiestudenten erstellen, auf der die einzelnen Teile einer Blüte erklärt werden.

Die obige Folie ist inhaltlich einwandfrei, aber durch Anwendung des Kohärenzprinzips können wir sie noch deutlich verbessern. Wenn wir die dekorative Grafik durch eine ersetzen, die das Lernziel unterstützt, kommen wir mit weniger Text auf der Folie aus. Dadurch haben wir sowohl dem Kohärenzprinzip Rechnung getragen als auch dem (ebenfalls auf Mayers Untersuchungen fußenden) Multimodalitätsprinzip. Auf dieser Folie wird die Aufmerksamkeit der Lernenden viel gezielter auf das Wesentliche gelenkt. Sehen Sie selbst:

*Quellen: Oregon State University und Shane Eubanks

Kurz gesagt: Weniger ist mehr. Unnötige Medien einzubauen, kann vom Lernziel ablenken. Erstellen Sie also jeden Kurs und jede Folie ganz bewusst, und widerstehen Sie der Versuchung, sie durch visuelle Extras „aufzupeppen“.

Wenn Sie mehr über das Kohärenzprinzip und weitere von Richard Mayer entwickelte Prinzipien erfahren möchten, empfehle ich Ihnen „E-Learning and the Science of Instruction: Proven Guidelines for Consumers and Designers of Multimedia Learning” (vielleicht auch in Ihrer Stadtbücherei erhältlich).

Wenn Sie diesen Beitrag interessant fanden, abonnieren Sie doch den wöchentlichen Blognewsletter.

 

Bibliographie:

Clark, R. C. und R. E. Mayer. E-Learning and the Science of Instruction, 2nd edition (San Francisco: Pfeiffer, 2007).

Garner, Ruth, Mark G. Gillingham und C. Stephen White. „Effects of‘ seductive details‘ on macroprocessing and microprocessing in adults and children.“ Cognition and Instruction 6.1 (1989): 41-57.

Harp, Shannon F. und Richard E. Mayer. „How seductive details do their damage: A theory of cognitive interest in science learning.“ Journal of Educational Psychology 90.3 (1998): 414.

Mayer, R. E., J. Heiser und S. Lonn. „Cognitive constraints on multimedia learning: When presenting more material results in less understanding.“ Journal of Educational Psychology 93.198 (2001): 187.

Moreno, R. und R. E. Mayer. „A coherence effect in multimedia learning: The case for minimizing irrelevant sounds in the design of multimedia instructional messages.“ Journal of Educational Psychology 97.125 (2000): 117.

Autor: Mike Taylor