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Die Top-10-Schreibtipps für Ihre E-Learning-Lokalisierung

Die Top-10-Schreibtipps für Ihre E-Learning-Lokalisierung
Die Top-10-Schreibtipps für Ihre E-Learning-Lokalisierung

Allzu oft wird über Lokalisierung erst gesprochen, wenn ein E-Learning-Projekt bereits fertiggestellt ist. Die E-Learning-Entwickler gehen wie gewohnt vor und setzen das Projekt um, und nach der Fertigstellung senden sie ihren Kurs zur Lokalisierung. Um E-Learning-Kurse jedoch erfolgreich zu lokalisieren, braucht es etwas mehr als nur die  Übersetzung der Texte. Sie müssen sicherstellen, dass die Kursinhalte auch wirklich bei all Ihren Lernenden mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen ankommen und verstanden werden.

Kultur spielt in unserem Alltag eine große Rolle und oft sind wir uns dessen gar nicht bewusst. Unsere Verhaltensweisen, Annahmen, Erwartungen und die Definition von „normal“ sind alle ein Produkt unserer Kultur. Etwas, das für einen Amerikaner witzig ist, könnte für einen Deutschen überhaupt keinen Sinn ergeben und einen Franzosen tatsächlich beleidigen. Oder das Szenario, das Sie beschreiben, um den Lernenden eine berufliche Situation zu verdeutlichen, kann so weit von deren Alltag entfernt sein, dass sie sich damit nicht identifizieren können und damit der Kurs für sie irrelevant wird.

Um bei der Lokalisierung richtig vorzugehen, müssen Sie Ihr globales Publikum von Anfang an vor Auge haben. Und obwohl es nicht möglich ist, zu 100 Prozent kulturneutrale Inhalte zu verfassen, kann es bereits helfen, leichter zu lokalisierende Text zu erstellen, wenn Sie sich der kulturellen Unterschiede bewusst sind. Denn egal wie qualifiziert die Übersetzer sind, die Übersetzungsqualität kann nur so gut sein wie der Originaltext.

Aber wie schreiben Sie nun einen lokalisierungsfreundlichen Text? Hier sind ein paar Tipps:

1. Seien Sie direkt

Sagen Sie, was Sie meinen und eliminieren Sie unnötige Wörter. Schreiben Sie in der aktiven Form und verwenden Sie Adverbien und Adjektive sparsam. Die direkte Sprache ist weniger zweideutig und erleichtert die korrekte Übersetzung.

2. Fassen Sie sich kurz

Ihr Ziel ist es, die Lerninhalte zu vermitteln und nicht, einen Pulitzerpreis zu gewinnen. Kurze, einfache Sätze sind leichter zu verstehen und zu übersetzen. Wenn der Übersetzer nicht versteht, was Sie geschrieben haben, geht Ihre Nachricht in der Übersetzung verloren.

3. Bleiben Sie beim Grundwortschatz

Dies ist nicht Ihre langersehnte Gelegenheit, um mit Ihrem umfangreichen Wissen an obskuren Wörtern und komplizierten Fachbegriffen zu glänzen. Bleiben Sie bei einer möglichst einfachen Sprache.

4. Verwenden Sie Ihre Begriffe konsequent

Wenn immer wieder der gleiche Begriff in Ihren Lerninhalten vorkommt, kann es verlockend sein, Synonyme zu verwenden, um Wiederholungen und gefühlte Eintönigkeit zu vermeiden. Wenn Sie jedoch für die Lokalisierung schreiben, ist es am besten, immer den gleichen Begriff zu verwenden, um Verwirrung und Fehlübersetzungen zu vermeiden.

5. Vermeiden Sie Mehrdeutigkeiten

Wenn Sie für die Lokalisierung schreiben, möchten Sie absolut sicher sein, dass es nur eine Möglichkeit gibt, Ihren Text zu interpretieren. Jede Mehrdeutigkeit im Ursprungstext wird in den lokalisierten Versionen nur noch verschärft.

Zum Beispiel „Ich sah eine Frau auf einem Berg mit einem Fernglas“ könnte entweder bedeuten, dass Sie eine Frau auf einem Berg gesehen haben, die ein Fernglas hatte, oder Sie schauten durch ein Fernglas auf einen Berg und sahen eine Frau. Wenn Ihre ursprüngliche Nachricht unklar ist, könnte der übersetzte Text eine völlig andere Bedeutung haben.

Stellen Sie sicher, dass Ihre Sätze so deutlich wie möglich sind. Eine Möglichkeit, die Klarheit zu verbessern, besteht darin, Pronomen (wie „er“ oder „sie“) durch Eigennamen zu ersetzen.

6. Unterlassen Sie Humor oder Sarkasmus

Manchmal kann Humor oder Sarkasmus Lerninhalte etwas auflockern, aber sie werden mitunter kulturell sehr unterschiedlich verstanden. Es ist ja schon unter Kollegen der gleichen Kultur sehr unterschiedlich, was als lustig empfunden wird oder im Gegenteil möglicherweise schon einer Beleidigung gleichkommt. Um auf Nummer sicher zu gehen, bleiben Sie lieber neutral und sachlich.

7. Verzichten Sie auf Redewendungen und Analogien

Wenn Sie noch nie Inhalte für die Lokalisierung geschrieben haben, erkennen Sie vielleicht nicht, wie oft Sie sich auf Filme oder Sportereignisse beziehen, um Ihren Standpunkt zu vermitteln. Auch Redewendungen sind oft schwierig oder gar unmöglich zu übersetzen. Ganz zu schweigen davon, dass sie oft selbst für Muttersprachler schwer verständlich sind!

8. Vermeiden Sie Sätze mit zu vielen aufeinanderfolgenden Nomen

Technische oder Compliance-Dokumentationen verwenden häufig Aneinanderreihungen von Substantiven, um komplexe Sachverhalte zu beschreiben. Zum Beispiel ist „Mitarbeiterleistungsbewertungsverfahren“ eine Folge von vier Substantiven, die zusammen den Namen eines Verfahrens ergeben, in dem Mitarbeiterleistungen bewertet  werden. Sie sollen die Dinge einfacher machen, aber meist enden sie genau im Gegenteil. Da es keine Präpositionen gibt, müssen die Leser auf die Beziehung zwischen den Wörtern schließen. Wenn möglich, teilen Sie Substantive in kleinere Einheiten und fügen Sie nach Bedarf Präpositionen und Verben hinzu.

9. Notieren Sie alles, was angepasst werden muss

Manchmal gibt es keine einheitliche Lösung. Dinge wie Währung, Maße, Daten, Zeiten, Temperaturen und Telefonnummern unterscheiden sich je nach Sprache und Land. Abhängig vom Kursthema kann es sogar zu größeren Unterschieden in Bezug auf lokale Gepflogenheiten und Etikette kommen, die individuell bearbeitet werden müssen.

Erstellen Sie eine Liste aller Fälle, in denen spezifische Anpassungen erforderlich sind, und arbeiten Sie mit regionalen Experten zusammen, um den Inhalt anzupassen, bevor Sie ihn zur Übersetzung senden.

10. Erstellen Sie ein Glossar für die Übersetzer

Manche Begriffe sind branchenspezifisch und sollen deshalb nicht übersetzt werden. Das Gleiche gilt für firmenspezifische Bezeichnungen und Abkürzungen. Da sie in der Regel nicht vermieden werden können, erleichtern Sie den Übersetzern die Arbeit, indem Sie ein Glossar mit den Schlüsselbegriffen erstellen, das ihnen als Leitfaden dienen kann.

Wenn Sie Kurse für ein globales Publikum erstellen, erleichtert es Ihren Lokalisiserungsprozess, wenn Sie diese Schreibtipps beim Gestalten Ihres Kurses beachten. Darüber hinaus verbessern Sie die Übersetzungsqualität erheblich, was zu einem besseren Verständnis und einer höheren Zufriedenheit der Lernenden führt. Und das ist das Ziel.

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