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Grundlagen zur Aufnahme von Audioinhalten für Onlinekurse

Grundlagen zur Aufnahme von Audioinhalten für Onlinekurse
Audio-Grundlagen

Gesprochene Audioinhalte mit den Texten und visuellen Elementen eines E-Learning-Kurses zu kombinieren, ist eine gute Vorgehensweise für eine motivierende Lernumgebungen. Sie können den gesamten Kurs mit gesprochenen Informationen unterlegen, sich auf Szenarien mit Personen beschränken oder den Lernenden oder einen SME (Subject Matter Expert) aus der Ich-Perspektive erzählen lassen. Glücklicherweise ist es mit den modernen E-Learning-Tools sehr einfach, entsprechende Audioinhalte zu Ihren Onlinekursen hinzuzufügen. Sehen wir uns in diesem Artikel mal einige grundlegende Tipps zur Vorbereitung und Aufnahme qualitativ hochwertiger gesprochener Audioinhalte an.

Am Anfang steht das Skript für den Sprechtext

Beim Erstellen eines Sprechskriptes hat es sich als praktisch erwiesen, den Text in ein Word-Dokument mit einer Tabelle einzufügen. So kann er problemlos gelesen werden, und man kann sich auf den jeweils relevanten Textteil konzentrieren. Befindet sich der Sprechtext nur in den Foliennotizen der PowerPoint-Präsentation, so ist es viel schwieriger, dem Text bei der Aufnahme zu folgen und ihn anzuzeigen.

In einem Sprechskript sollten mindestens die folgenden drei Elemente enthalten sein:

  • Die Foliennummer – Anhand der Foliennummer kann sich der Sprecher orientieren. Auch beim späteren Bearbeiten der Aufnahme ist die Nummer sehr hilfreich.
  • Der Sprechtext – der einzusprechende Text. Er muss nicht zwingend mit dem Kurstext identisch sein.
  • Hinweise für den Sprecher – Hier können Sie dem Sprecher Informationen zum Einsprechen bereitstellen. Beispielsweise Wünsche zur Aussprache, Tipps zur Betonung und Hinweise zur Sprechgeschwindigkeit.

Die Auswahl des passenden Mikrofons

Bei Audio-Hardware gibt es eine einfache Regel: Sie erhalten die Qualität, für die Sie bezahlt haben. Wenn Sie regelmäßig Audioaufnahmen machen und sich qualitativ annehmbare oder hochwertige Ergebnisse wünschen, dann sollten Sie in ein gutes Mikrofon investieren.

Mikrofone gibt es in sehr vielen verschiedenen Varianten. Die zwei gängigsten Typen sind jedoch Mikrofone mit omnidirektionaler und unidirektionaler Richtcharakteristik. Beide Varianten haben ihre Vorteile und Nachteile. Welche Sie nutzen sollten, hängt davon ab, welche Art von Aufnahme Sie planen.

Omnidirektionale Mikrofone
Ein omnidirektionales Mikrofon nimmt den Schall aus allen Richtungen auf (kugelförmige Richtcharakteristik). Es eignet sich gut für Umgebungsgeräusche, Außenaufnahmen, situative Aufnahmen und Aufnahmen von Rednern in großen Räumen. Setzen Sie es vor allem in Situationen ein, in denen es keine einzelne Audioquelle gibt oder wenn Sie die Umgebungsgeräusche oder die einer ganzen Szene aufnehmen möchten.

Unidirektionale Mikrofone
Ein unidirektionales Mikrofon nimmt den Schall aus nur einer Richtung auf – und zwar normalerweise direkt von vorne. Es ist daher am besten zur Aufnahme eines Sprechers geeignet. Unidirektionale Mikrofone minimieren die Umgebungs- und Hintergrundgeräusche, die von den gesprochenen Inhalten ablenken.

Integrierte Mikrofone
Vermeiden Sie die Verwendung von integrierten Mikrofonen (zum Beispiel in Notebooks). Diese Mikrofone nehmen normalerweise sehr viele Nebengeräusche wie beispielsweise den Lüfter und die Festplatte des Computers mit auf. Sie sind nicht für gesprochene Audioinhalte in Onlinekursen geeignet.

Pop-Schutz und Windschutz

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, die Aufnahmequalität zu verbessern. Pop-Filter reduzieren „Pop“-Geräusche, die beispielsweise bei den Lauten „p“ und „b“ auftreten können. Außerdem schützen sie das Mikrofon. Auch unerwünschte Atemgeräusche können durch einen Pop-Schutz abgemildert werden. Die meisten Pop-Filter kosten weniger als 20 Euro. Sie können aber auch ganz leicht selbst einen Pop-Filter herstellen: Spannen Sie einfach einen Nylonstrumpf über einen großen Kleiderbügel, und platzieren Sie ihn vor dem Mikrofon.

Ein Windschutz filtert mehr Geräusche als ein Pop-Schutz und kann sogar Umgebungsgeräusche reduzieren. Auch er ist für unter 20 Euro zu haben.

Portable Studioboxen
In einem Profistudio ist der gesamte Raum mit einem schalldämmenden Material ausgekleidet. Dadurch werden unerwünschte Umgebungsgeräusche unterdrückt. Vermutlich haben Sie nicht die Möglichkeit, einen eigenen Raum mit einem solchen Material auszustatten. Aber es gibt eine einfache Alternative: Bauen Sie sich eine kleine und mobile Aufnahmebox.

Mit etwas Formschaum können Sie sich beispielsweise eine tragbare „Studiobox“ basteln, die Sie um das Mikrofon herum aufstellen. Auch durch diese Eigenkreation werden die Umgebungsgeräusche erheblich reduziert. So können Sie Ihre Aufnahmequalität ganz einfach deutlich verbessern.

Audio5_PortableAudioStudio

Die Vorbereitung der Aufnahmeumgebung

Konsistente Aufnahmen
Da Sie vermutlich nicht in einem Profistudio aufnehmen können, müssen Sie selbst für eine konsistente Aufnahmeumgebung sorgen. Wenn Sie alle Aufnahmen immer im selben Raum durchführen, wird es deutlich einfacher, die Aufnahmen und ihre Qualität konsistent zu halten. Hier kommen ein paar Tipps, wie Sie für einen konsistenten Sound sorgen können:

  • Aufnahmeraum: Die Aufnahmequalität kann vom Grundschnitt des Raumes, den Wandoberflächen und den Einrichtungsgegenständen beeinflusst werden. Ein Raum mit einem Teppich und Möbeln klingt vollkommen anders als ein leerer Raum mit Holzfußboden. Sorgen Sie möglichst dafür, dass alle Aufnahmen im selben Raum durchgeführt werden.
  • Mikrofone: Verwenden Sie immer dasselbe Mikrofon. Vielleicht besitzen Sie mehrere Mikrofone. Sie sollten jedoch der Versuchung widerstehen, diese auszutauschen. Alle Mikrofone haben eine eigene „Persönlichkeit“. Wenn Sie Ihr Mikrofon austauschen, kann das Auswirkungen auf die Audioqualität haben.
  • Mikrofonständer: Mikrofonständer gibt es als Boden- und Tischvarianten. Sie unterstützen die Erstellung sauberer und konsistenter Audioaufnahmen. Der optimale Abstand zwischen dem Mikrofon und dem Sprecher hängt vom verwendeten Mikrofon ab. Finden Sie den optimalen Abstand heraus, und vermerken Sie ihn in Ihren Aufnahmeeinstellungen.
  • Erfassen der Aufnahmeeinstellungen: Egal, ob Sie allein oder mit Kollegen arbeiten – Sie sollten immer alle wichtigen Einstellungen für eine Aufnahme erfassen. So können Sie sicherstellen, dass diese über verschiedene Aufnahmen hinweg konsistent bleiben. Zu den Einstellungen gehören zum Beispiel die Stärke des Eingangssignals, die Mikrofoneinstellungen und andere Audioeinstellungen. Betreffen diese Informationen Softwareeinstellungen, ist es oft am einfachsten, einen Screenshot vom Einstellungsfenster zu machen.

Reduzieren von Umgebungsgeräuschen
In den meisten Fällen ist es nicht möglich, alle Geräusche zu beseitigen. Das funktioniert sogar in Profistudios nicht zu einhundert Prozent. Aber trotzdem sollten Sie so viele Nebengeräusche eliminieren wie nur möglich. Daher habe ich hier für Sie ein paar Tipps:

  • Schalten Sie die Klimaanlage aus. Das mag im Hochsommer kein besonders willkommener Vorschlag sein. Die Klimaanlage ist jedoch in vielen Räumen die stärkste Geräuschquelle.
  • Stellen Sie den Computer unter den Schreibtisch. Die Lüfter und Festplatten von Computern verursachen eine Menge Geräusche. Je größer der Abstand zwischen dem Computer und dem Mikrofon ist, desto geringer ist der Geräuschpegel.
  • Schalten Sie nicht verwendete Computer, Drucker und externe Festplatten aus. Je weniger Geräte im Raum aktiv sind, desto besser.
  • Dämpfen Sie die Geräusche im Raum. Auch ohne schalldämmende Spezialisolierung können Sie mit Vorhängen, Möbelstücken, Gardinen und anderen Materialien im Raum eine Menge Schall mindern.

Die Aufnahme

Ihr Aufnahmeraum ist eingerichtet, und es kann losgehen? Gedulden Sie sich noch einen Moment. Es gibt noch ein paar weitere Dinge, die Sie vor der ersten Aufnahme erledigen sollten.

Prüfen der Stärke des Eingangssignals
Dieser Schritt ist einer der wichtigsten für eine gute Aufnahme. Ist das Eingangssignal zu stark, kommt es zu Verzerrungen, Pop-Geräuschen oder anderen digitalen Störgeräuschen. Ist die Signalstärke zu gering, so wird die Aufnahme zu leise und ist später im Kurs schlecht zu hören.

Daher gebe ich Ihnen ein paar grundlegende Informationen zur Signalstärke:

Als Grundregel sollten Sie mit einer Signalstärke zwischen -12 db und -6 db arbeiten. Die gängigen Audioprogramme unterstützen Sie dabei, die richtige Signalstärke zu finden.

So sieht beispielsweise eine gute Signalstärke im Aufnahmetool Audition aus:

Audio6

Wie Sie sehen, liegt die Signalstärke zwischen -12 und -6. So gibt es ausreichend Reserven für lautere Töne, ohne dass es zum Clipping (Abschneiden von Aufnahmeinhalten) kommt.

Diese Signalstärke ist zu hoch gewählt. Sie wird vermutlich unerwünschte Verzerrungen verursachen.

Audio7

Ja nach Audioprogramm sollte die Signalstärke für normale gesprochene Aufnahmen in einem gelben Bereich liegen.

Testaufnahme
Testen Sie die Signalstärke mit einer kurzen Aufnahme. Vielleicht haben Sie die Einstellungen perfekt gewählt, dennoch stimmt vielleicht irgendwo etwas nicht.

Eventuell wurde versehentlich eine Einstellung geändert. Oder die Stimme des Sprechers ist nicht so laut wie bei der Einstellung. Oder es gibt ein Hardwareproblem. So etwas passiert. Und es ist immer besser, entsprechende Probleme vorher zu erkennen. Machen Sie daher vor der echten Aufnahme immer erst eine Testaufnahme von ca. 30 Sekunden.

Abhören der Aufnahme per Kopfhörer
Kopfhörer minimieren Umgebungsgeräusche. Sie sorgen dafür, dass Sie die Aufnahme deutlich und klar hören. Deutlicher und realistischer als mit Kopfhörern können Sie sich die Aufnahme nicht anhören.

Die meisten Lernenden hören sich den späteren Kurs vermutlich ebenfalls mit Kopfhörern an (vor allem, wenn es sich um Lernende in Unternehmen oder Bildungseinrichtungen handelt). Sie sollten sich daher genau das anhören, was später auch die Lernenden hören.

Aufnahme in einer Session
Sie erzielen die bestmögliche Aufnahmekonsistenz, wenn Sie das gesamte Sprechskript in einer einzigen Session aufnehmen. Ansonsten kann es passieren, dass sich die einzelnen Aufnahmen voneinander unterscheiden – und zwar auch dann, wenn Sie alle Einstellungen exakt beibehalten.

Wenn Sie in mehreren Sessions aufnehmen müssen (zum Beispiel, weil ein bestimmter Teil neu aufgenommen werden muss), dann nehmen Sie immer einen kompletten Absatz oder eine ganze Folie statt eines einzelnen Wortes oder eines Satzteils auf. Die Abweichungen zwischen verschiedenen Aufnahmen sind bei größeren Textblöcken weniger stark wahrnehmbar.

Aus diesem Grund ist es am besten, so viel wie möglich in einer einzigen Aufnahmesession zu erledigen. So müssen Sie sich keine Gedanken über kleine, aber hörbare Abweichungen zwischen verschiedenen Sessions machen und sorgen für einen konsistenten Sound.

Es gibt noch vieles mehr zur Erstellung von Audioinhalten für Onlineschulungen zu lernen – beispielsweise zur richtigen Sprechtechnik. In diesem Artikel haben Sie die Grundlagen zu Audioaufnahmen für E-Learning-Inhalte kennengelernt und können in Ihrem nächsten Projekt direkt loslegen.

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