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In 3 Schritten zum E-Learning-Profi

In 3 Schritten zum E-Learning-Profi
Aufgabenanalyse für Ihr E-Learning-Projektmanagement

von Tom Kuhlmann

„Ich möchte ein echter E-Learning-Profi werden. Was muss ich tun, um besser zu werden?“

Diese Frage bekomme ich ziemlich oft gestellt. Ein guter Grund, das Thema einmal näher zu betrachten. Schauen wir uns 3 zentrale Schritte auf dem Weg zum E-Learning-Profi an.

Schritt 1: Mehr lernen

Es gibt viele Wege, sich das Wissen anzueignen, das man für professionelles E-Learning braucht. Hier sind einige Möglichkeiten:

  • Ein Studium absolvieren. Es gibt zahlreiche gute Studiengänge in diesem Bereich. Es herrscht nicht immer Einigkeit, ob man zwingend einen solchen Abschluss braucht. Meiner Meinung nach hat ein Studium 2 Vorteile: Manche Unternehmen stellen ohne entsprechenden Abschluss gar nicht erst ein. Und ein Studienprogramm bringt Sie mit Themen und Diskussionen in Kontakt, die im täglichen Projektgeschäft oft untergehen.
  • Ein Zertifikatsprogramm abschließen. Es gibt zahlreiche Zertifikatsprogramme im Bereich E-Learning. Sie sind zwar oft mit Gebühren verbunden, aber in der Regel sind sie nicht allzu hoch; außerdem nehmen sie weniger Zeit in Anspruch als ein Studium und verbinden theoretische Grundlagen mit praktischer Anwendung.
  • Informell lernen. Auch ohne formelles Studium gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Plattformen wie lynda.com bieten strukturierte Kurse, bei denen Sie selbst entscheiden können, welche Themen Sie vertiefen möchten. Oder Sie nutzen YouTube und greifen auf die unzähligen kostenlosen Videos und Tutorials zurück. Darüber hinaus finden Sie auf E-Learning Heroes eine Menge Anleitungen und Materialien. Alles, was Sie brauchen, ist Neugier und die Disziplin, dranzubleiben.
  • Fachbücher lesen. Es gibt viele gute Bücher zum Thema E-Learning und Kursdesign. Hier finden Sie eine Liste mit Titeln, die ich in der Vergangenheit empfohlen habe, sowie weitere Empfehlungen aus der Community. Zwei aktuelle Bücher, die Sie interessieren könnten, sind Visual Design Solutions und 100 Things Every Designer Needs to Know About People.

Schritt 2: Das Gelernte anwenden

Kurse zu besuchen, Bücher zu lesen und regelmäßig neue Inhalte zu studieren ist wichtig. Und Sie werden dabei viel lernen. Aber irgendwann müssen Sie das Gelernte auch aktiv anwenden. Sonst gerät auch das beste Wissen mit der Zeit in Vergessenheit.

Ein paar Ideen, wie Sie Theorie in Praxis umsetzen können:

  • Mit Prototypen experimentieren. In vielen Teams, mit denen ich gearbeitet habe, gab es regelmäßig Freiräume, um neue E-Learning-Ideen auszuprobieren und schnelle Proof-of-Concept-Prototypen zu entwickeln. So wurde zum Beispiel ein Freitag im Monat dafür reserviert: Jede Person brachte eine Idee mit, die sich in einem Kurs umsetzen ließ. Manchmal ging es um neuartige Animationen oder alternative Navigationskonzepte. Manchmal um neue Interaktionsformen. Entscheidend war, dass wir uns die Zeit genommen haben, Neues auszuprobieren. Ohne solche Experimente läuft man schnell Gefahr, immer wieder nur Varianten desselben Kurses zu entwickeln.
  • An den wöchentlichen E-Learning-Challenges teilnehmen. Die wöchentlichen E-Learning-Challenges gehören für mich zu den spannendsten Formaten der Community. Bei diesen Herausforderungen handelt es sich um kleine Praxisaufgaben, in die man so viel oder so wenig Zeit investieren kann, wie man möchte. Manche gehen sehr tief hinein, andere halten es bewusst schlicht. Besonders interessant finde ich, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Herausforderung angehen. Für Sie sind die Challenges eine ideale Gelegenheit zum Experimentieren und Üben. Wenn ich ein Team leiten würde, würde ich regelmäßig eine solche Challenge aufgreifen – vielleicht einmal pro Quartal – und sie in die Teamweiterbildung integrieren. Und selbst wenn Sie nicht aktiv teilnehmen: Es lohnt sich immer zu sehen, was andere daraus machen. Sie werden viele gute Ideen für sich entdecken.

Schritt 3: Ihr Wissen teilen

Die beiden ersten Schritte helfen Ihnen dabei, Ihre Fähigkeiten aufzubauen. Beim nächsten Schritt dreht sich alles darum, sich mit anderen zu vernetzen, sichtbar zu werden und Ihre Expertise zu zeigen.

  • Einen Blog starten. Sie müssen sich nicht in den SEO-Wettlauf um Keywords, perfekte Headlines und Rankings stürzen. Sehen Sie Ihren Blog eher als etwas Persönliches, als Ort, an dem Sie zusammentragen, was Sie wissen und was Sie lernen. Verzichten Sie auf generische Inhalte und konzentrieren Sie sich auf konkrete Anwendungen aus der Praxis. Genau dort wird Ihre Expertise sichtbar. Mir gefällt es zum Beispiel besonders gut, wie einige Teilnehmer der wöchentlichen Challenges ihre Projekte dokumentieren: Sie zeigen, was sie gemacht haben und erklären, warum sie es so umgesetzt haben. Oft stellen sie sogar kostenlose Downloads zur Verfügung. Hier ein paar Beispiele (und eine Entschuldigung an alle, die ich hier nicht erwähne): Jackie Van Nice und Joanna Kurpiewska.
  • Ihre Arbeit zeigen. Ich verrate Ihnen ein kleines Branchengeheimnis: Es gibt erstaunlich viele Menschen in unserer Branche, die über E-Learning schreiben, ihre eigene Arbeit aber nie zeigen. Wenn ich sie darauf anspreche, kommt fast immer eine Ausrede über angeblich vertrauliche Projekte. Wirklich? In zwanzig Jahren kein einziges Beispiel, das man öffentlich zeigen könnte? Es ist immer leichter, von außen zu kritisieren, als sich mit eigener Arbeit angreifbar zu machen. Wenn Sie zeigen, woran Sie arbeiten, sind Sie vielen sogenannten Experten bereits einen Schritt voraus. Genau wie bei den wöchentlichen Challenges müssen das keine aufwendigen Projekte sein. Zeigen Sie einfach, was Sie gemacht haben und erklären Sie, warum Sie sich dafür entschieden haben. Denn in den Augen von Einsteigern sind SIE längst Profi.
  • Vorträge halten. Eine weitere Möglichkeit, sich einen Namen zu machen, sind Workshops und Fachkonferenzen. Wenn Sie erste Erfahrungen sammeln möchten, beginnen Sie bei lokalen Community-Gruppen oder Interessengemeinschaften. Ich selbst moderiere zum Beispiel Community-Workshops rund um E-Learning. Diese Veranstaltungen sind bewusst informell gehalten und konzentrieren sich auf praktische Tipps und Tricks. Ideale Gelegenheiten also, um erste Vorträge zu halten.

E-Learning-Profi wird man nicht über Nacht. Es ist ein Prozess aus Lernen, Anwenden und Weitergeben von Wissen. Aber wenn Sie diese 3 Schritte konsequent verfolgen, sind Sie auf dem besten Weg.