Articulate Netzwerk:

Articulate

Wie visuelles Denken die E-Learning-Entwicklung beflügelt

Wie visuelles Denken die E-Learning-Entwicklung beflügelt
4 Dinge, die E-Learning-Entwickler von Grafikdesignern lernen können

von Tom Kuhlmann

Wer Online-Kurse entwickelt, steht in der Regel vor zwei Herausforderungen: erstens zu entscheiden, welche Inhalte behandelt werden sollen, und zweitens die passende visuelle Gestaltung zu finden, die den Lerneffekt unterstützt. Ein Ansatz, der bei beidem helfen kann, ist das visuelle Denken. Damit fällt es oft leichter, die richtigen Inhalte auszuwählen und die richtigen Grafiken zu finden.

Was ist visuelles Denken?

Im Grunde geht es darum, rein textbasierte Informationsvermittlung in eine Kombination aus Text und Bild zu überführen, mit der Konzepte, Abläufe und Zusammenhänge besser dargestellt werden können. Dave Gray hat den Ansatz einmal sehr schön als Methode beschrieben, um „die lineare Welt des geschriebenen Wortes, der Listen und Tabellen hinter sich zu lassen und in die Welt der räumlichen Beziehungen, der Netzwerke […] und Diagramme einzutauchen“.

Dan Roam veranschaulicht den Unterschied zwischen dem „sprachlichen Teil“ und dem „visuellen Teil“ unseres Hirns mit seiner schönen Analogie vom Fuchs und Kolibri: Der Fuchs streift von Punkt zu Punkt, linear, durch den Wald und erstellt so Stück für Stück ein ganzes Bild des Waldes in seinem Kopf. Der Kolibri hingegen (der einzige Vogel, der rückwärts und kopfüber fliegen kann) fliegt über den Wald und erfasst ihn als Ganzes.

Dieser Unterschied ist für die E-Learning-Entwicklung von zentraler Bedeutung: Die meisten E-Learning-Angebote sind sehr vom Fuchs geprägt, d. h. sie stützen sich in der Informationsvermittlung sehr auf den sprachlichen, linearen Teil unseres Hirns, dabei ist E-Learning vorwiegend ein visuelles Medium. Dashalb sollten wir den visuellen Teil unseres Hirns einschalten, um Tatsachen oder Konzepte auf weniger textlastige Weise zu vermitteln. Wider die trockene Stichpunktfolie!

Zum Thema visuelles Denken gibt es jede Menge Literatur. Unten finden Sie ein paar Videos, die einen guten Einstieg in das Thema bieten, und Buchempfehlungen für alle, die tiefer eintauchen wollen.

In den Videos zeigen die beiden, wie Sie mit ganz einfachen Formen und einem einheitlichen Vorgehen selbst komplexe Konzepte einfach darstellen können. Die Videos ergänzen einander auch gut, da sie zwar grundsätzlich ähnlich sind, aber einen leicht unterschiedlichen Ansatz verfolgen.

Klar, Videos zu schauen, kostet Zeit, aber sie sind nicht allzu lang und behandeln trotzdem eine ganze Menge Stoff. Sehen Sie es einfach als Workshop zum visuellen Denken an, an dem Sie kostenlos teilnehmen können.

Dan Roams Ansatz

Die folgenden Videos sind Teil von Dan Roams „Napkin Academy“. Darin zeigt er, dass alle Zeichnungen Kombinationen aus 5 grundlegenden Formen sind, und stellt eine Art visuelle Grammatik vor, die dem Zeichenprozess zugrundeliegt.

Dave Grays Ansatz

Hier sind drei spannende Videos von Dave Gray, dem Gründer von Xplane. Er baut auf Dans grundlegenden Formen auf und entwickelt ein visuelles Alphabet aus sog. Glyphen. Außerdem erklärt er, wie man entscheidet, was und wann man zeichnen sollte.

Weiterführende Lektüre zum Thema visuelles Denken & Kommunikation

Videos sind schön und gut, aber Bücher haben auch ihren Reiz. Man kann sie in der Hand halten, vor und zurück blättern, sich Notizen am Rand machen usw. Deshalb möchte ich Ihnen auch einige Bücher zum Thema visuelles Denken empfehlen:

Ihre nächsten Schritte

Jetzt wissen Sie, worum es beim visuellen Denken geht. Das ist aber erst die halbe Miete: Im nächsten Schritt gilt es, dieses Wissen in Ihren E-Learning-Projekten auch anzuwenden. Hier sind ein paar Tipps, wie Sie weiter in die Welt des visuellen Denkens vordringen können:

  • Sehen Sie sich die obigen Videos an, um einen ersten Überblick zu bekommen.
  • Üben Sie, Figuren aus grundlegenden Formen zu zeichnen.
  • Verwandeln Sie eine Folie mit Aufzählungspunkten aus einem Ihrer Kurse vom Fuchs zum Kolibri.
  • Keine Sorge, Sie müssen nicht gleich perfekt sein. Übung macht auch hier den Meister.

Der Kernpunkt dieser ganzen Überlegungen ist, sich das visuelle Denken anzugewöhnen, um es dann im E-Learning-Design anwenden zu können. Denn vergessen Sie nicht: E-Learning ist ein stark visuelles Medium, auch wenn leider immer noch zu viele Kurse sehr textlastig sind. Je visueller Sie denken und kommunizieren, desto effektiver werden Ihre E-Learning-Kurse werden.