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Die grundlegende Vorgehensweise bei der E-Learning-Entwicklung

Die grundlegende Vorgehensweise bei der E-Learning-Entwicklung
Basic E-Learning Workflow

Frisch startende E-Learning-Entwickler suchen oft in den E-Learning Heroes-Foren nach Grundlagen für die Erstellung von E-Learning-Kursen. Es gibt jedoch nicht wirklich einen „richtigen“ oder „falschen“ Ansatz für E-Learning-Projekte – jeder Entwickler hat eigene Vorstellungen davon, was am besten funktioniert. Die Vorgehensweise hängt von vielen Faktoren wie beispielsweise dem Budget, den Mitarbeitern und den bisherigen Erfahrungen ab.

Ich habe bereits an vielen E-Learning-Projekten gearbeitet – bei vielen war ich allein, bei manchen Projekten war ein ganzes Team involviert. Die daraus gewonnenen Erfahrungen zum Projektablauf möchte ich heute mit Ihnen teilen. Ich kann natürlich nicht jedes einzelne Detail des gesamten Prozesses in einem einzigen Artikel abdecken, aber zumindest versuchen, Ihnen einen guten Überblick zur Entwicklung von E-Learning-Inhalten zu geben.

Schritt 1: Gespräch mit dem Kunden

Nachdem Sie einen Kunden für ein neues E-Learning-Projekt gewonnen haben, sollten Sie als Erstes herausfinden, warum der Kunde auf E-Learning setzt (wenn das nicht bereits in den Vorgesprächen erläutert wurde). Trainings werden für gewöhnlich erstellt, weil die Entscheider ein Problem erkannt haben, das durch einen Kurs gelöst werden soll. Ihr erstes Ziel ist es daher, das Problem besser kennenzulernen, das durch die E-Learning-Inhalte behoben werden soll. In vielen Fällen ist eine Schulung gar nicht die optimale Lösung für das Problem. Nehmen wir aber für diesem Artikel mal an, dass eine saubere Analyse der Trainingsanforderungen einen tatsächlichen Bedarf für einen E-Learning-Kurs ergeben hat.

Decken Sie unter anderem die folgenden Punkte in dem Gespräch ab:

  • grundlegende Ziele
  • Budget
  • Werkzeuge
  • Zeitrahmen
  • Reviewprozess
  • Branding-Anforderungen
  • Zugriff auf die Kurse (Link in einer E-Mail, LMS, online gehostet etc.)

Der Kunde kann Ihnen auch zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen, die für das Kursdesign relevant sind, und Sie an einen Fachexperten (Subject Matter Expert, SME) weiterleiten, der Ihre Fragen beantworten und inhaltsspezifisches Wissen zur Verfügung stellen kann. Außerdem gibt es oft schon Inhalte und Materialien oder Ressourcen, die Sie als Ausgangspunkt nutzen können.

Schritt 2: Erfassen und Organisieren von Inhalten

Nicht selten bekommen Sie von Ihrem Kunden viele Inhalte zur Verfügung gestellt – beispielsweise vorhandenes Trainingsmaterial oder vom SME erstellte PowerPoint-Präsentationen. Daher müssen Sie im nächsten Schritt alles durchgehen und die unwichtigen oder optionalen Informationen von denen trennen, die für den E-Learning-Kurs wirklich wichtig sind.

Andererseits, wenn es nicht genügend Materialien gibt, müssen Sie recherchieren und Inhalte selbst erstellen. Idealerweise können Sie hier mit SMEs zusammenarbeiten und von deren Wissen profitieren. Konzentrieren Sie sich bei der Recherche auf die praxisbezogenen Inhalte – sie sorgen dafür, dass das Trainingsziel besser umgesetzt und erreicht werden kann.

Organisieren Sie die Inhalte in kleine, von den Lernenden leicht zu erfassende Teilbereiche und bringen Sie sie in eine sinnvolle Reihenfolge. Klären Sie mit Ihren SMEs, ob zusätzliche Informationen erforderlich sind, und erweitern Sie die Inhalte entsprechend. Am besten beginnen Sie mit der Recherche für Fotos und Multimediainhalte Ihres E-Learning-Kurses. Wenden Sie jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu viel Zeit dafür auf, nach absolut perfekten Fotos zu suchen. Es reicht, wenn Sie eine grobe Vorstellung davon haben, welche Multimediainhalte Sie einsetzen möchten.

Schritt 3: Storyboard

Welches Format Sie für das Storyboard und welche Tools Sie zur Kursentwicklung nutzen, hängt natürlich vor allem von den verfügbaren Tools, Ihren bisherigen Erfahrungen und den Wünschen des Kunden ab. Meine Storyboards bestehen aus Text, Platzhaltern für Multimediainhalte (Bilder und Videos) und einer Navigation. Ich versuche in diesem Schritt nicht, die Inhalte besonders schön aufzubereiten oder visuelle Designelemente einzufügen (abgesehen von der Platzierung von Logos). Stattdessen lege ich fest, wie das Layout und die Verknüpfungen der Inhalte aussehen sollen. Ich stelle außerdem sicher, dass die Navigation in meinem Kurs funktioniert.

Instructional Designer erstellen manchmal nur das Storyboard für einen Kurs, der dann von anderen entwickelt wird. In diesem Fall müssen Sie den Entwicklern detaillierte Anmerkungen bereitstellen. Arbeiten Sie mit gut verständlichen Anweisungen und Screenshots, um Ihr Storyboard den Entwicklern möglichst klar und umfassend darzustellen.

Mit einem soliden Storyboard können Sie viele Fehler vermeiden. So können Sie beispielsweise damit verhindern, nach der Erstellung der letzten Folie eines Kurses plötzlich festzustellen, dass auf allen vorherigen Folien ein Button fehlt.

Schritt 4: Review und Überarbeitung

Sobald ich ein gutes Storyboard mit Navigation und allen relevanten Inhalten erstellt habe, gebe ich es zum Review an den SME oder an einen zuverlässigen Kollegen weiter. Ich weise extra darauf hin, dass sich das Storyboard nur um die Inhalte dreht. Es ist also noch nicht optisch perfekt und enthält auch noch nicht die finalen Hochglanzabbildungen und Ähnliches. Bevor ich mich mit diesen Arbeiten beschäftige, möchte ich sicherstellen, dass die Inhalte und die Navigation perfekt sind.

Wenn ich meinen Kurs an den SME weitergebe, stelle ich ihm auch ein Reviewdokument zur Verfügung. So kann er sauber und organisiert Feedback geben. Das Dokument ist recht einfach aufgebaut: Im Grunde besteht es nur aus einer Tabelle mit zwei Spalten. Spalte 1 enthält einen Screenshot jeder Folie. In Spalte 2 kann der SME seine Anmerkungen zur jeweiligen Folie eintragen. Auf Basis dieses Dokuments nehme ich dann Änderungen am Storyboarddokument vor. Möglicherweise müssen Sie den Vorgang mit dem SME und anderen Projektbeteiligten einige Male wiederholen, bevor alle Elemente für die Entwicklung bereit sind.

Schritt 5: Entwicklung des Kurses

Jetzt kommt der spannende Teil. Alle Informationen zu den Multimediainhalten und Texten sowie zur Navigation stehen bereit. Sie können also loslegen und sich um die optische Gestaltung, die Farben, die Schriftarten sowie um perfekte Fotos und Illustrationen kümmern. Arbeiten Sie mit grundlegenden Designprinzipien, um Ihrem Kurs einen klaren und modernen Look zu geben:

  • Lassen Sie ausreichend Freiraum, und überfrachten Sie die Folien nicht.
  • Beschränken Sie sich auf eine oder zwei Schriftarten für den gesamten Kurs.
  • Begnügen Sie sich mit maximal drei Farben für den gesamten Kurs.
  • Platzieren Sie die Schaltflächen und Links auf jeder Folie an der gleichen Stelle.
  • Verteilen Sie die Elemente und Texte sinnvoll auf den Folien und richten Sie sie passend aus.
  • Arbeiten Sie mit relevanten und aussagekräftigen Bildern.
  • Nutzen Sie nur einen Clipart- oder Fototyp im gesamten Kurs.

Natürlich gibt es noch viel mehr Designprinzipien für die Kursgestaltung. In Articulate 360 haben Sie außerdem Zugriff zur Content Library, die eine ständig anwachsende Anzahl von Kursvorlagen bietet, so dass Sie sich Ihr Kurslayout einfach zusammenstellen können.

Sollten Sie Rise für die Entwicklung Ihres Kurses verwenden, brauchen Sie sich um Design und Gestaltung keine Gedanken machen – das ist bereits für Sie erledigt und sieht sehr professionell und ansprechend aus. Sie müssen nur noch Ihre Inhalte einfügen.

Schritt 6: Qualitätssicherung und Tests

Sie haben also das Storyboard und einen sehr lehrreichen E-Learning-Kurs erstellt? Dann kann der Kurs ja veröffentlicht werden, oder? So weit sind wir leider noch nicht. Einer der wichtigsten Schritte im Designprozess ist das Testen.

Bei einem meiner früheren Arbeitgeber habe ich gelernt, welchen echten Vorteil eine Testphase bietet. Wir haben fünf Mitarbeiter mit unterschiedlichen technischen Kenntnissen gebeten, unser E-Learning-Modul durchzuarbeiten. Dabei haben wir ihre Aktivitäten aufgezeichnet und von ihnen ein Feedback erhalten. Ich war überrascht, dass viele Kommentare der Tester recht ähnlich waren. Sie wussten beispielsweise nicht, wo sie auf einer bestimmten Folie klicken sollten (obwohl ich bei der Entwicklung gedacht hatte, dass genau dieser Punkt vollkommen klar sein müsste). Dieses Zielgruppenfeedback war wirklich sehr hilfreich. Ich konnte Änderungen vornehmen, die den Kurs deutlich verbessert haben.

Veröffentlichen Sie Ihren Kurs also nicht zu voreilig. Auch wenn Sie wirklich stolz auf Ihre Arbeit sind und sie natürlich so schnell wie möglich weitergeben möchten. Nehmen Sie sich Zeit für ein sorgfältiges Review. So erkennen Sie Designfehler, Navigationsprobleme sowie Rechtschreib- und Grammatikfehler. Lassen Sie den Kurs von der Zielgruppe testen. Sehen Sie sich an, wie die Tester den Kurs durchlaufen, wo es zu Problemen kommt. So erkennen Sie, welche Inhalte gut funktionieren und welche nicht. Danach können Sie den Kurs entsprechend anpassen und so das Gesamtergebnis verbessern.

Mit Articulate Review ist dieser Prozess übrigens sehr zeitsparend und einfach – Sie teilen einfach den Link zur Testversion des Kurses und die Tester können direkt kommentieren und dabei auch die Bemerkungen der anderen Tester sehen. Sie können diese Kommentare als bearbeitet markieren, weitere Versionen des Testkurses hochladen und können so die gesamte Testphase wunderbar in einem tool verwalten.

Schritt 7: Veröffentlichung und Bereitstellung

Nun können Sie Ihren Kurs endlich veröffentlichen und für die Lernenden bereitstellen. Wie Sie den Kurs anbieten, hängt natürlich davon ab, wie die Lernenden auf den Kurs zugreifen sollen. Manchmal werden die Dateien einfach auf einen Webserver hochgeladen. Wenn Sie die Aktivitäten der Lernenden über das LMS (Learning Management System) des Unternehmens nachverfolgen möchten, finden Sie heraus, ob es mit SCORM oder Tin Can API arbeitet und veröffentlichen Sie den Kurs entsprechend. Stellen Sie den Lernenden klare Informationen zu den Zugriffsmöglichkeiten und zur für die Anzeige des Kurses erforderlichen Software bereit.

Hier noch ein paar weiterführende Links:

Haben Sie mehr Tipps zur optimalen Vorgehensweise? Nutzen Sie den Kommentarbereich unter diesem Artikel, und teilen Sie uns Ihre Tipps mit.

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